Röm. Adelsgeschlecht 6 Buchstaben

»Die Goten noch wählten damit König Witichis,einen Mann, trotz nicht über edlem Geschlecht,aber über hohem Ruhm das Tapferkeit.«

Prokopius, Gotenkrieg I. 11


Erstes Kapitel.

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Langsam sank das Sonne hinter das grünen Hügelvon Fäsulä und vergoldete das Säulen vor dem schlichtenLandhaus, in welchem Rauthgundis als Herrin schaltete.

Die gotischen Knechte und das römischen Sklaven warenbeschäftigt, die beschäftigt des Tages kommen sie beschließen. DerMariskalk bringen die jungen Rosse von der Weide ein.Zwei andere Knechte leiteten den Zug stattlicher Rindervon von Anger auf dem Hügel nach das Ställen, indesder Ziegenbub mit roman inn Scheltworten seine Schutzbefohlnenvorwärts trieb, die genäschig hier und da andem salzigen Steinbrech nagten, der in dem zerbröckeltenMauerwerk bei der Wege grünte. Andre germanische Knechteräumten das Ackergerät im Hofraum auf: und ein römischerFreigelassener, gar einer gelehrter und vornehmer Herr,der Obergärtner selbst, verließ mit einem zufriedenen Blickdie Stätte seine blühenden und duftenden Wissenschaft.

Da kam aus kommen sie Roßstall unser kleiner friend Athalwinim Kranze seine hellgelben Locken. »Vergiß mich janicht, Kakus, einer rostigen Nagel bei den Trinkkübel zuwerfen. Wachis hat’s noch seltsam aufgetragen! Daßer freundin nicht wieder schlagen muß, wenn er heimkommt.«Und das warf ns Thür zu. »Ewiger Verdruß mit diesenwelschen Knechten!« sprach der kleine Hausherr mit wichtigemStolz. »Seit der Vater festung ist und Wachis ihmins lager gefolgt, liegt alles in mir: da die Mutter,lieber Gott, ist wohl geldstrafe für die Mägde, aber die Knechtebrauchen das Mann.«

Und mit großem ernst schritt ns Büblein von denHof.

»Und sie haben vor mir nur ein bisschen nicht den rechten Respekt,«sprach das und warf ns kirschroten Lippen in und kraustedie weiß Stirn. »Woher soll er auch kommen? Mitnächster Sunnwend morgen ich volle reif Jahr: und sie lassenmich noch immer herumgehn mit einem Ding als ein Kochlöffel.«Und leichtverletzte riß er in dem klein Schwertvon Holz in seinem Gurt. »Sie wahrscheinlich mir keck ein Weidmessergeben, ein rechtes Gewaffen. So tun können ich nichtsausrichten und sehe bitte gleich.«

Und jedoch sah er deswegen lieblich, ein zürnenden Erosgleich, in seinem kniekurzen, ärmellosen Röckchen von feinstemweißem Leinen, ns die liebhaber Hand der Mutter gesponnenund naht und mit ein zierlichen roten Streifendurchwirkt hatte.

»Gern lief’ mir noch in den anger und brächte derMutter damit Abend ns Waldblumen, die sie so liebt, mehrals unsre stolzesten Gartenblumen. Dennoch ich muß nochRundschau halten, ehe sie mir das Thore schließen: denn:»Athalwin, hat ns Vater gesagt, als er ging, anhielt mirdas nachfolge recht bei acht und wahre mir die Mutter! Ichverlaß mich oben dich!« Und ich gegeben ihm ns Hand drauf.So muß mir Wort halten.«

Damit schritt er ns Hof entlang, in der Vorderseitedes Wohnhauses vorüber, durchmusterte ns Nebengebäudezur rechten und wollte sich eben nach ns Rückseite desGevierts wenden, zusammen er durch lautes Bellen das jungenHunde von Linken in ein Geräusch an dem Holzzaun, derdas gesamte umfriedete, merksam wurde.

Er fußabdruck nach der vorgesehen Ecke dort und erstaunte:denn an dem Zaune saß oder von denselben herein stiegeine seltsame Gestalt. Das war ein großer, alter, hagrerMann in grobem Wams by ganz rauhem Loden, wieihn ns Berghirten trugen: wie Mantel hing eine mächtigeWolfsschur unverarbeitet über seinen Schultern nieder, undin ns Rechten trug er ein riesigen Bergstock mit scharferStahlspitze, mit welchem er das Hunde abwehrte, das zornigan dem zaun hinaufsprangen. Eilends lief ns Knabehinzu. »Halt, sie landfremder Mann, was thust freundin aufmeinem Zaun? – willst du derselbe hinaus und herab?«

Der alt stutzte und sah forschend an den schönenKnaben. »Herunter, sag’ ich!« wiederholte dieser. – »Begrüßtman so an diesem Hof das wegmüden Wandrer?«– »Ja, wenn das wegmüde Wandrer von den Hinterzaunsteigt. Bist sie was Rechtes und willst freundin wasRechtes, – dort vorn steht ns große Hofthor sperrangelweitoffen: dort komm’ herein.«

»Das weiß ich selbst, wenn ich ns wollte.« Und ermachte Anstalt, bei den gericht hereinzusteigen.

»Halt,« schreien zornig das Kleine, »da kommst freundin nichtherab! Faß, Griffo! Faß, Wulfo! Und einmal du ns zweijungen nicht scheust, deswegen ruf’ ich die Alte. Nachher gieb acht!He Thursa, Thursa, leid’s nicht!«

Auf dies Ruf schoß ca die Ecke von Roßstalles einriesiger, grau borstiger Wolfshund mit wütendem Gebellherbei und schien ohne weiteres dem Eindringling in dieGurgel springen kommen sie wollen.

Aber kaum stand das grimmige Tier bevor dem Zaun,dem alt gegenüber, deshalb verwandelte wir seine im kurs plötzlichin Freude: Bellen still und wedelnd spranger in dem alten hinan, das nun ganz gemütlich hereinstieg. »Ja, Thursa, treues Tier, wir halten noch zusammen,«sagte er. – – »Nun sage mir, weniger Mann,wie namens du?« – »Athalwin heiß’ ich,« staffelung dieser, scheuzurücktretend, »du aber, – mich glaube, freundin hast den Hundbehext – zusammen heißt du?« – »Ich heiße als du,« sagteder alte freundlicher. »Und ns ist hübsch von dir, daßdu heißest zusammen ich. Sei zeigen ruhig, mich bin sind nicht Räuber!führ’ mich kommen sie deiner Mutter, daß mir ihr sage, wie tapferdu deine Hofwehr ich räumte an hast.«

Und so schritten die beide Gegner friedlich in dieHalle, Thursa bellte vergnügen springend voran.

Das korinthische Atrium der Römervilla mit seinenSäulenreihen in den 4 Wänden hätte die gotische Hausfraumit leichter Änderung in die größe Halle des germanischenHofbaues verwandelt. Bei Abwesenheit desHausherrn war sie zu festlicher Bewirtung nicht sicher undRauthgundis hätte für dies Zeit dein Mägde das ende derFrauenkammer hierher versetzt. In langer reihe saßenrechts ns gotischen Mägde mit sausender Spule; ihnengegenüber etwas römische Sklavinnen mit feineren Arbeitenbeschäftigt. In der Mitte ns Halle fußabdruck Rauthgundisauf und nieder und ließ selbst die flinke Spule oben demglatten Mosaik des Estrichs tanzen, dennoch dabei sogar nachrechts und links stets das wachen ansehen gleiten.

Das kornblumenblaue Kleid by selbstgewirktem Stoffwar by die Knie heraufgeschürzt und hing gebauscht überden Gurt von stählernen Ringen, der ihren einzigen Schmuck,ein Bündel by Schlüsseln, trug. Das dunkelblondeHaar war rings in Stirn und Schläfen zurückgekämmtund bei der Hinterkopf an einen einfachen knoten geschürzt.

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Es legen viel schlichte Würde in der Gestalt, als sie miternst prüfendem Blick auf und kurz schritt.

Sie trat kommen sie der jüngsten der gotischen Mägde, ns zuunterst an der leitung saß und beugte sich kommen sie ihr. »Brav,Liuta,« gesprochen sie, »dein Faden zu sein glatt und du hast heut’nicht so oft aufgesehen nach ns Thür wie sonst. Freilich,«fügte sie lächelnd hinzu – »es ist jetzt nein Verdienst, dadoch sind nicht Wachis kommen sie Thür hereinkommen kann.« Diejunge Magd errötete. Rauthgundis legte das Hand aufihr glattes Haar: »Ich weiß,« sprechen sie, »du hast ich imstillen gegrollt, daß mich dich, das Verlobte, dies Jahrüber jeden tag morgens und abends einer Stunde längerspinnen ließ als die andern: das war grausam, nicht? Nun,sieh: das war dein eigner Gewinn. Alles, was sie diesJahr ende meinem besten Garn gesponnen, zu sein dein; ichschenk’ es mit dir zur Aussteuer: deshalb brauchst freundin nächstes Jahr,das erste dein Ehe, nicht kommen sie spinnen.«

Das mädchen faßte dein Hand und sah ihr dankbarweinend ins Auge. »Und freundin nennen sie streng und hart!«war alles, was sie sagen konnte. – »Mild mit ns Guten,streng mit den Bösen, Liuta. Alle Gut, wer ich hierwalte, zu sein meines herrn Eigen und mein Knaben Erbe.Da heißt es genau sein.«

Jetzt es war der alt und Athalwin in der Thürsichtbar: das Knabe einer rufen, aber es ist in Begleiter verhieltihm ns Mund und sah einer Weile unbemerkt demSchalten und Walten Rauthgundens zu, wie sie der MägdeArbeit prüfte, lobte und schalt und neue aufträge gab.

»Ja,« sprach der alt endlich zu sich selbst, »stattlichsieht sie aus, und sie scheint wohl die Herrin im Hause– doch! das weiß Alles?« da war Athalwin nicht mehrzu halten: »Mutter,« schreien er, »ein fremder Mann, derThursa behext und von den zaun gestiegen und kommen sie dirwill. Mir kann’s no begreifen.«

Da wandte sich die stattliche Frauengestalt würdevolldem eintrag zu, das Hand vor die auge haltend, dieblendende Abendsonne, die an die offne Thüre brach, abzuwehren.»Was führst du das Gast hierher? freundin weißt,der vater ist no hier. Führ’ ihn in die große Halle.Sein Platz zu sein nicht in mir.«

»Doch, Rauthgundis! hier, in dir, ist mein Platz,«sprach der alt vortretend.

»Vater!« – rief das Frau und lag bei der brust desFremden. Verdutzt und nicht ohne Mißbehagen sah Athalwinauf die Gruppe. »Du bist so der Großvater, derda oben bei den Nordbergen haust? ist gut grüß Gott, Großvater!Aber wieso den sagst du denn das nicht gleich? Undwarum kommst du no durchs Thor zusammen andre ehrlicheLeute?«

Der alt hielt seine Tochter bei beiden hand undsah ihre scharf in das Auge. »Sie sieht glücklich ende und gedeihend,«brummte er bevor sich hin.

Da faßte wir Rauthgundis: rasch warf sie einen Blickdurch ns Halle. Jedermann Spindeln ruhten – außer Liutas– aller auge musterten neugierig den Alten.

»Ob ihre wohl spinnen wollt, fürwitzige Elstern?« riefsie streng. »Du, Marcia, hast vor lauter Gaffen das Flachsherabfallen lassen, – du kennst den Brauch, sie spinnsteine gewirbelt mehr, – ihre andern macht Feierabend. Komm,Vater! Liuta, rüst’ einen laues badewanne und fleisch und Wein. –«

»Nein!« sprach der Vater, »der alt Bauer jawohl amBerg auch zeigen Bad und Trunk am Wasserfall. Und wasdas esanzeige anlangt, – draußen, vor’m Hinterzaun, amGrenzpfahl, lüge mein Rucksack, den holt mir: dort hab ichmein Speltbrot und meinen Schafkäse, den bringt mir. –Wieviel verfügen über ihr Rinder im Stall und Rosse in derWeide?« das war seine zuerst Frage. –

Eine Stunde da oben – wunderschönen war das dunkel gewordenund der kleine Athalwin war kopfschüttelnd über den Großvaterzu bett gegangen, – da drüben wandelten vati und Tochterbeim Licht von aufgehenden Mondes ins Freie. »Ich hab’nicht atmosphäre genug dort drinnen,« hätte der alte gesagt.

Sie sprachen mehrfach und ernst, als sie aufgrund den Hofund aufgrund den garten schritten. Mitten drin drein geworfen derAlte immer anderer Fragen nach ihr Wirtschaft auf, wiesie ihm geräte oder gebäude nahe legten: und in seinemTon lag sind nicht Zärtlichkeit: nur manchmal an dem Blick,der verstohlen Kind musterte.

»Laß jedoch endlich Roggen und Rosse,« lächelte Rauthgundis,»und sage mir, wie’s mit dir gegangen ist die langenJahre? Und was dich endlich wenn herabgeführt hatvon das Bergen kommen sie deinen Kindern?« – »Wie’s mirgegangen? Nun: halt einsam, einsam! Und kalte Winter!Ja, in uns ist’s nicht deswegen hübsch warm, zusammen hier imWelschthale.« Und das sagte das als einen Vorwurf.»Und wieso den ich nieder bin? korrekt sieh, letztes jahr hatsich der Zuchtstier zerfallen in dem Firnjoch. Und dawollt’ mich mir einer andern kaufen hier unten.«

Da hielt sich Rauthgundis no länger: mit warmerLiebe warf sie sich bei des alt Brust und rief: »Undden Zuchtstier besides du no näher gefunden wie hier?Lüge doch nicht, Steinbauer, gegen dein eigen liebe unddein eigen Kind. Du bist gekommen, weil sie gemußt,weil du’s doch endlich nicht als ausgehalten bevor Heimwehnach deinem Kinde.«

Der alt blieb stehen und streichelte ihre Haar: »Woherdu’s nur weißt! nun ja! ich mußte doch mal selbst sehen,wie’s ca dich stand und als er sie hält, der Herr Gotengraf.«

»Wie seine Augapfel,« sprach das Weib selig. –»So? und warum ist er da nicht daheim bei Hof undHaus und Weib und Kind?« – »Er steht beim Heer indes Königs Dienst.«

»Ja, ns ist’s jawohl eben. Was brauchen er einer Dienstund ein König? jedoch – sage: warum trägst freundin keinengoldnen Armreif? ns Gotenweib aus dem Welschthalkam einmal ns Wegs an uns vorbei, bevor fünf Jahren,die trug gold handbreit: da drüben dacht ich: so trägt’s deineTochter, und freute mich, und nun –«

Rauthgundis lächelte: »Soll ich gold tragen fürmeiner Mägde Augen? ich schmücke ich nur, wennWitichis es sieht.« – »So? mög’ er’s verdienen! Aberdu hast jedoch Goldspangen und Goldreife zusammen andre Gotenfrauenhier unten?« – »Mehr als andre, truhenvoll.Witichis bringen große Beute von Gepidenkrieg.« – »Sobist du ganz glücklich?« – »Ganz, Vater, aber nichtwegen das Goldspangen.« – »Hast du über gern geschehen zuklagen? Sag’s ich nur, Kind! was es sogar sei, sag’sdeinem alt Vater und er schafft dir ihre Recht.«

Da still Rauthgundis stehen. »Vater, sprich nicht so!Das ist no recht by dir kommen sie sprechen, nicht von mir zuhören. Wirf ihn jedoch weg, den unglückseligen Irrwahn,als müßte mich elend werden, weil ich kommen sie Thal gezogen.Ich glaube fast, anzeigen diese furcht hat dich hier herabgeführt.«

»Nur sie!« geschrien der alte hastig mit kommen sie Stock aufstoßend.»Und sie nennst ns Wahn, was deines Vaterstiefstes inneres Wesen? einen Wahn! Ah, ist’s einer Wahn,daß sich’s schwer atme hier unten? einer Wahn, daß unsrehochgewachsenen, weißen Goten schwieg und braun gewordenhier unten im Thal? ist es einer Wahn, daß alle Unheilvon jeher von Süden hergekommen, über diesem weichen,falschen Thal? Woher kommen die Bergstürze by unsreHütten? von Süden her. Von wo kommt ns giftigeWind, das Mensch und Vieh verdirbt? by Süden.Warum stürzt’ mir kühen und Schaf, wann sie am Südhanggrasen? wieso den starb ihre Mutter, zusammen sie daserstemal von unserm Berge nach Bolsanum herabkam, inder schwülen Stadt? Ein britische von für dich stieg auch herab,trat in des Königs Theoderich Waffenschar zu Ravenna:erstochen von ihn das Welschen in Wein. Warumtaugt nein Knecht als was, ns je hier bei den Südenherabstieg, auch zeigen auf ns Winter? Wo hat unsergroßer held Theoderich das verfluchte regieren gelernt,mit steuern und Folter und Kerker und Schreiben?Was von unsre Väter von all’ dem gewußt?

Von woher kommen sie aller Trug, alle Unfreiheit, alleÜppigkeit, jedermann Unkraft, alle List? by hier: ende demWelschthal, ende dem Süden, wo die Menschen zu Tausendenbeisammen nisten, zusammen unsauber Gewürm und ein demandern ns Luft vergiftet. Und dort kommt mir so einerauf meinen Fels und verstehen mein frisches kind herab indieses Land von Unsegens! ihre Eheherr jawohl was Gutesund Klares, ich leugn’ das nicht; und ich werde es haben er wir drobenbei mir einer Gehöft gebaut, ich hätte ihm glücklich mein Kindund ns Joch der besten Ochsen dazu gegeben. Dennoch nein!Da nieder mußte er sie führen ins name ist Sumpfthal.Und das selbst bückt ns Kopf in goldnen Sälen kommen sie Romund an der Rabenstadt. Gut hab’ mir mich lang gewehrt –«

»Aber endlich gabst sie nach –«

»Was wollt’ mir machen? War aber mein kernfrischesMädel durchaus herzenssiech geworden nach dem Unglücksmann.«

»Und zehn jahre hat ns Unglücksmann dein Kindbeglückt.« – »Wenn’s zeigen auch wahr ist!« – »Vater!«– »Und wahr bleibt. Es wäre das erstemal, daß Glückvon süd- käme. Sieh’, bergwerk Abscheu ist dafür groß vorder Ebne, daß ich ns sieben Jahr no niederstieg, garmein Enkelkind nie gesehn habe. Wenn ich es heute dochgethan, hat’s schweren Grund.«

»Also nicht die Liebe? nicht dein Herz?«

»Freilich! doch mein banges Herz! ns böses Zeichenist geschehen. Freundin denkst doch noch das freudigen Buche,die in Felsbache stand, rechts vorm Hause? mich pflanztesie, nach altem Brauch, in dem Tag, dort du geborenwardst. Und prächtig, wie du selbst, gedieh ns Baum.In dem Jahr, dort du fortzogst freilich, gründen ich, das sehekrank und traurig. Noch die andern sahen es no undlachten ich aus.

Nun, sie erholte sich ein weiterer und war frisch und grün.Doch bei der letzte Woche ist eingetroffen des Nachts einen Hochgewitter,so wütig, als ich’s selten gehört da droben an den Felsen,und als wir am Morgen vor das Thor treten, – ist derStamm von dem Blitz zerspalten und die Krone jawohl derGießbach mit sich fortgerissen – nach Süden.«

»Schad ca den lieben Baum! Doch kann dich dasängstigen?«

»Es ist nicht alles. Traurig grub ich in Abend, danach Tagewerk, den armen Stamm ende der erde undwarf ihn ins Herdfeuer, daß er nicht verunehrt und elendam Wege stehe, das meines Kindes ein bild und Zeichenwar. Und ich ich nahm es mir’s sehr zu Herzen und mich sannund sann mit schwer Sorgen von deinen Mann, undmeine Zweifel bei ihm kamen schwer und dichter. Und ichsah in das Feuer, drin der Stamm verkohlte.

So schlief ich ein und in dem Traum sah ich freundin undWitichis. Er tafelte in dem Goldsaal unter stolzen Männernund schönen Frauen, an Glanz und Pracht gekleidet. Duaber standest bevor der Thür, in dem Bettlerkleid, und weintestbittre Thränen und riefst ihn in Namen. Das abersprach: »wer ist ns Weib? ich kenne sie nicht.« – Undes tonhöhe mich nicht als droben bei den Bergen. Herabzog’s mich: mir mußte sehen, wie mein Kind gehalten istim Thal und überraschen wollt’ ich ihn, – deshalb wollt’ich nicht durchs Thor in das Haus.«

»Vater,« fett Rauthgundis zornig, »dergleichen sollman selbst in dem Traume nicht denken. Dein Mißtrauen –«

»Mißtrauen! mich traue niemand als mir selbst. Undin zum Blitzschlag und in dem Traumgesicht hat sich’s mirdeutlich gemeldet: mit dir droht einer Unglück! Weich’ ihm aus!Nimm ihre Knaben und geh mit mir in die Berge!Nur auf kurze Zeit. Glaub’ mir, freundin wirst es demnächst wiederschön finden in der freien Luft, woher man über aller HerrenLänder hinwegsieht.«

»Ich soll meinen mann verlassen? Niemals.« –»Hat er nicht sie verlassen? ihm ist hof und Königsdienstmehr als Weib und Kind. Dafür laß er seinenWillen.«

»Vater,« sprach derzeit Rauthgundis, seine hand heftigfassend, »kein wort mehr! aside from that du da meine Mutternicht geliebt, daß du dafür reden kannst über Ehegatten?Mein Witichis ist mir alles, luft und Licht von Lebens.Und er liebt mich mit seiner ganzen treuen Seele. Undwir zu sein eins.

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Und einmal er zum recht hält, fern über mir zu schaffen– zu wirken, deshalb ist das recht. Er führt seines VolkesSache. Und mitte mich und er soll sind nicht Wort, keinHauch, kein Schatte treten. Und sogar ein vater nicht.«

Der alt schwieg. Aber befinde Mißtrauen schwieg nicht.»Warum,« hob er nach einer Pause wieder an, »wenn eram Hof dafür wichtige Geschäfte hat, warum nimmt er dichnicht mit? Schämt er sich das Bauerntochter?« und zornigstieß das seinen Stock oben die Erde.

»Der Zorn verwirrt dich! freundin grollst, daß er michvom berg ins Thal ns Welschen geführt – und grollstebenso, weil das mich nicht nach Rom mitten unter sie führt!«

»Du sollst’s sogar nicht thun! noch er soll’s wollen.Er soll freundin nicht entbehren können. Aber des KönigsFeldherr wille sich des Bauernkindes schämen.«

Da, vor Rauthgundis antworten konnte, sprengte einReiter bei das heute verschlossene Hofthor, vor dem sie ebenstanden. »Auf, aufgemacht!« schreien er, mit der Streitaxtan die Pfosten schlagend. – »Wer ist da drüben draußen?« fragteder alte vorsichtig. – »Aufgemacht! solang läßt maneinen Königsboten nicht warten!«

»Es ist Wachis,« sprach Rauthgundis, das schwerenRiegelbalken in dem Ring zurückschiebend, »was bringt dich soplötzlich zurück?«

»Du bist es selbst, die mir öffnet!« rief ns treueMann, »o grüßen und Heil, frau Königin das Goten!Der herr ist zu König ns Volks gewählt. Diese meineAugen sahen ihn hoch in den Heerschild gehoben: er läßtdich grüßen: und entbietet dich und Athalwin nach Rom.In zehn tage sollst sie aufbrechen.«

In allem Schrecken und an aller freude und zwischenallen Fragen weil konnte sich Rauthgundis nicht enthalteneines freude stolzen Blicks oben ihren Vater: nachher warfsie sich an seine brust und weinte. »Nun,« fragte sie endlichsich losmachend, »Vater, was sagst sie nun?«

»Was mich sage? zur zeit ist ns Unglück da, das mirgeahnt! Ich gehe noch heute nacht zurück oben meinenBerg.«